Medizinisches Wörterbuch Lymphologie
Oliver Gültig, Joachim Winter

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Effektiv resorbierende Druck fSyn: ERP; Das Resultat von Kolloid-osmotischer Druck minus Kolloid-osmotischer Druck im Interstitium (ERP = KODP - KODI).

Effektiv ultrafiltrierende Druck fSyn: EUP; Blutkapillardruck minus Interstitieller Druck. EUP = BKD – ID; ein Anstieg des EUP führt zu einer erhöhten Ultrafiltration, ein Sinken des EUP reduziert sie.

Efferentes Lymphgefäß f: Das Lymphgefäß, welches den Lymphkoten verlässt. Das Lumen des / der efferenten Lymphgefäße/s ist kleiner als das Lumen aller afferenten Lymphgefäße. Im Lymphknoten wird ca. 30% der einströmenden Flüssigkeitsmenge über spezielle Venulen resorbiert.

Effleurage f: Ausstreichmassage, Beginn und Ende einer Massagebehandlung.

Eigenmechanismen, des Angions f: à autochthone Mechanismen.

Einziehungen und knotige Veränderungen: à sichtbare Einziehungen und knotige Veränderungen.

Eiweißabbau m(proteolysis):s. u. Proteolyse.

Eiweißaustritt aus dem Blutgefäßsystem m: à Plasmaproteinaustritt.

Eiweißlast, lymphpflichtige f: s. u. Lymphpflichtige Eiweißlast. Eiweißmoleküle , welche die Blutkapillare verlassen; verlassen die Blutkapillare und die postkapillären Venulen über verschiedene Möglichkeiten; s. a. Eiweißaustritt aus dem Blutsystem.

Eiweißarmes extrazelluläres Ödem nt: Flüssigkeitsansammlung im Interstitium mit einem Eiweißgehalt unter 1 gr./%; s. a. cardiales Ödem, haemodynamische Insuffizienz, Dynamische Insuffizienz, Hypoproteinämie, lymphostatische- / exudative Enteropathie, Nephrose Syndrom, zyklisch-idiopathisches Ödem.

Eiweißreiches  extrazelluläres Ödem nt: mit einem Eiweißgehalt größer als 1 gr./%. Kann bis mehrere Grammprozente betragen, z. B. Entzündliches Ödem*, Lymphödem*, Phlebo-lymphostatische Insuffizienz*. Chronisch verlaufende eiweißreiche Ödeme führen zu einer Bindegewebsproliferation*, Induration, Sklerose und Fettvermehrung aller betroffenen Strukturen.

Eiweißspaltung  f (proteolysis): s. u. Proteolyse.

Eiweißverlierende Enteropathie f: Enteraler Eiweißverlust infolge einer Darmerkrankung. s. a. 1. Exudative Enteropathie, 2. Lymphostatische Enteropathie. Kann in ausgeprägten Formen zu einer Hypoproteinämie* und der eventuell damit verbundenen generalisierten eiweißarmen Ödematisierung führen. Allgemeine Symptome: Fettstuhl, Vitaminmangel (Fettlösliche Vitamine), Hypoproteinämie*, Dehydrationsreaktion*.

Elastische Hautinsuffizienz f: Entsteht durch eine Polymerisationsstörung der Elastine und einer irreversiblen Zerstörung kollagener Fasern durch Überdehnung beim Lymphödem; schwere Schädigung der elastischen und kollagenen Hautfasern. Nach einer erfolgreich durchgeführten Entstauungstherapie* (KPE*) bleibt oft eine überdehnte Haut oder leere Hautsäcke zurück = Reduktion des interstitiellen Druckes*(ID*). Im Falle von Hautsäcken bleibt oft nur die chirurgische Intervention durch einen lymphologisch versierten Chirurgen.

Elephantiasis f, pl (elephantiasis) f: Syn: s. a. Lymphostatische Elefantiasis; Durch eine Lymphabflussstörung verursachte monströse Schwellung eines oder mehrerer Körperteile. Für einige im Rahmen lymphologisch bedingter Erkrankungen gebräuchliche Bezeichnungen: Elephantiasis chirurgica, s. u. – nostras, Elephantiasis congenita hereditaria, Elephantiasis filarica, s. u. Elephantiasis tropica, Elephantiasis genitoanorektalis, Elephantiasis penis / - scroti / - vulvae, Elephantiasis venera,   

Elephantiasis congenita hereditaria: Syn: chronisch hereditäres Trophödem, chronisch kongenitales Lymphödem, s. u. Nonne–Milroy–Meige Syndrom; Ein genetisch bedingtes Lymphödem. Es tritt gehäuft im Unterschenkel- / Fußbereich seltener an den Unterarmen / Hand auf. Betrifft hauptsächlich weibliche Menschen, gehäuftes Auftreten in der Pubertät.

Elephantiasis fusca: s. u. Lymphostatische Elephantiasis, - alba /  nigra, Durch Pigmentablagerungen verursachte Braunfärbung bei einer lymphostatischen Elephantiasis.

Elephantiasis genitoanorectalis: Syn: Elephantiasis venera: Hochgradige Schwellung von Penis und Skrotum bzw. Vulva und des Analbereiches.

Elephantiasis, lymphostatische: s. u.  Lymphostatische Elephantiasis, -alba /- fusca /- nigra / – nostras, Elephantiasis congenita hereditaria. Elephantiasis tropica. Exzessive Form des Lymphödems im dritten klinischen Stadium; stammförmige und lobuläre Form mit starken Bindegewebswucherungen; s. a. Elephantiasis, Lymphödem:

Elephantiasis nigra: Durch Pigmentablagerungen entstandene Grau- / Schwarzfärbung bei einer lymphostatischen Elephantiasis.

Elephantiasis nostras: Syn: Einheimische Elephantiasis, Elephantiasis simplex, Elephantiasis chirurgica; Durch z. B. Lymphknotenrevision oder Erysipel* verursachte Form der Elephantiasis, aber nicht durch Filariasis*(s. u. Elephantiasis tropica) hervorgerufen.

Elephantiasis tropica: Syn: Elephantiasis filariaca, Ein durch die zur Familie der Nematoden zählenden Fadenwurm (Filarie = Brugia malayi und Wucheria bancrofti, - malayi) hervorgerufene Lymphabflussstörung. Wird durch den Stich eines Moskitos übertragen; s. a. Filariasis.

Elephantiasis simplex: à Elephantiasis nostras.

Elephantiasis venera; à Elephantiasis genitoanorectalis.

Encephalopathie, lymphostatische f: s. u. Lymphostatische Encephalopathie.

Endometriumkarzinom nt: à Korpuskarzinom. Transzytose/Zytopempsis.

Endothel nt (endothelium): Platte Epithelzellen, welche die innere Auskleidung von Blut- und Lymphgefäßen und Organen bilden.

endothelial adj (endothelial): Das Endothel betreffend, aus Endothel bestehend.

Endothelzelle (endothelial cell): à Endothel.

Endothelfenster nt: Physiologisch vorhandene Öffnungen in den Endothelzellen; erinnern in ihrem Aussehen an gotische Kirchenfenster (Rosetten).

Endozytose f (endocytosis): Aktiver, über die Membranvesikel durchgeführter Stofftransport in das Zellinnere.

Endstrombahn f: Syn: Terminale Endstrombahn, Terminale Strombahn; Begriff für die kleinsten Blutgefäße. Umfasst präkapilläre Arteriolen, Blutkapillare und postkapilläre Venule.

Entstauungsgymnastik f: Syn: Entstauungsübungen; Globale dynamische Massenbewegungen einer Extremität, welche mit einer Kompression durchgeführt werden, fördern den lymphatischen und venösen Rückfluss. Dies geschieht durch das Widerlager (Arbeitsdruck) des angelegten lymphologischen Kurzzugverbandes* bzw. der Maßbestrumpfung*. Durch dieses Widerlager wird das eventuell fehlende Widerlager der Haut (elastische Insuffizienz*)ersetzt

Entstauungsübungen f: s. u. Entstauungsgymnastik.

Entzündung f: Sie ist die alleinige Möglichkeit des Körpers eine physische Änderung durchzuführen; eine Entzündung stellt die physiologische Reaktion des Organismus dar, um beschädigte oder zerstörte Gewebestrukturen abzubauen bzw. pathogene Keime abzutöten; es werden die Faktoren eliminiert, welche die zellulären Funktionen beeinträchtigen; s. a. aseptische -/ sterile Entzündung, neurogene Entzündung, septische Entzündung.

Entzündungsmediator m: Bei einer Entzündung lokal auftretende / gebildete Stoffe die den Entzündungsverlauf beeinflussen z. B. Prostaglandine, Histamin, Serotonin, Bradykinin, Kinin, Thromboxan, Leukotrien, Zytokine usw.

Erysipel nt: Durch Streptokokken, seltener durch Staphylokokken, hervorgerufene schwere Erkrankung.  Durch die beim Lymphödem bestehend immunologische Schwäche häufig auftretende Komplikation. Kann schon in den Anfangsstadien (Intervall-/ Latenzstadium*) des Lymphödems auftreten und zu dessen Progression oder zum Beginn beitragen. Symptome: Erbrechen, hohes Fiber, Schüttelfrost, Übelkeit. Diese Symptome entwickeln sich meist in kürzester Zeit.

Erysipelas bullosum nt: Sonderform des s. u. Erysipels* mit Blasenbildung verbunden.

Exozystose f: Über Vesikel durchgeführter Stofftransport aus der Zelle in den extrazellulären Raum.

Exsudat nt: seröses Exsudat; Bei einem entzündlichen Prozess entstehende eiweißreiche extrazelluläre Flüssigkeitsansammlung. Bildet bei physiologischem Umfang und Zeitdauer die Grundlage für Heilprozesse. Kann in Form von serösem -, hämorrhagischem, fibrinösem und eitrigem Exsudat vorliegen.

Exsudative Enteropathie f:  Durch chronisch entzündliche Erkrankungen(CED) des Darmes (Morbus Crohn*, Colitis ulcerosa*) hervorgerufener Eiweißverlust. Die Therapie erfolgt über eine ärztliche Intervention und einer speziellen Diätform s. u. Lymphostatischer Enteropathie. Die Durchführung der Manuellen Lymphdrainage im Bauchraum stellt eine absolute Kontraindikation dar; die dabei möglichen generalisierten extrazellulären Ödeme  sind eiweißarm.

extrafascial adj: außen, außerhalb/oberhalb der Körperfaszie liegend.

Extralymphvasculäre zelluläre Plasmaproteinbewältigung f: Syn: EZP; Eine von Monozyten, durch Phagozytose* und Proteolyse*, vorgenommene Beseitigung von überschüssigen Eiweißmolekülen im Interstitium; im Bereich der Lymphödemformen ist die EZP* eine Möglichkeit die angesammelten Plasmaproteine zu bewältigen; stellt aber bei der Behandlung von Lymphödemen nur eine adjuvante Behandlungsform dar; kann durch Medikamente stimuliert werden, in nicht lebertoxischer Konzentration jedoch geringe Wirksamkeit.

Extravasculäre Plasmaproteinzirkulation f: Da Plasmaproteine ständig die Blutkapillare in das Interstitium verlassen, entwickelt sich die lymphpflichtige Eiweißlast. Über die initialen Lymphgefäße erfolgt die Resorption in das Lymphgefäßsystem. Der eigentliche extravasculäre Teil der Zirkulation findet zwischen den Blutkapillaren und den initialen Lymphgefäßen über die prälymphatischen Kanäle* statt.

Extrazellulärer Raum m: s. u. Interstitium, Zwischenzellgewebe; Der außerhalb der Zellen liegende Raum.

Extrazelluläres Ödem nt: Vermehrte Flüssigkeitsansammlung im Interstitium*, welche tast- und sichtbar ist. Kann in eiweißarmer und eiweißreicher  sowie allgemeiner (generalisierter) und örtlicher (lokaler) Form auftreten; s. a. Ödem.

Extirpation f: (exstirpation) Entfernung eines umschriebenen Bereiches (Organ, Lymphknoten etc.)

exstirpieren adj: (exstirpate) völlig entfernen.

 

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