Medizinisches Wörterbuch Lymphologie
Oliver Gültig, Joachim Winter

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Haargefäße f, pl: à Kapillaren, mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 5 µm.

Hämangio-lymphatische Verbindung f: Syn: Virchow – Robin'sche  Räume; die sich intrakranial befindlichen Spalträume in der Adventitia der Blutgefäße. Sie entsprechen den prälymphatischen Kanälen* des somatischen Gewebes. Ein Teil des intrakranial gebildeten Liquors versickert über diese Kanäle in die cervikalen Bereiche dieser Gefäße, und wird dort von den Vasa lymphatica vasorum resorbiert.

Haemangiom nt: Syn: Blutschwamm, Haemangioma; gutartiger Hauttumor; bezieht sich auf sichtbare kutane und subkutane Formen, welche angeboren (infantiles Hämangiom) und in späteren Lebensabschnitten (senile Angiome, Granuloma pyogenicum) entstehen kann.

Haemangiectasia hypertrophicans f: s. u. Klippel-Trénaunay-Weber-Syndrom.

Haemarthros m: Bluthaltiger Erguss im Gelenkraum; durch die nur indirekte Einflussnahme der MLD* auf intraarticuläre Ergüsse keine Indikation für MLD*; durch die schnell eintretende Knorpelschädigung muss sofort punktiert werden.

Hals-Acromion Abstand, verkürzter m: Reflektorisches Hochhalten der Schulter; beim Lymphödem ein Hinweis auf eine Komplikation*.

Hämagiopathie, lymphatische f: s. u. lymphatische Hämangiopathie.

Hämodynamische Insuffizienz des Lymphgefäßsystems f: Syn: Kardiales Ödem; Durch eine Rechtsherzinsuffizienz* verursachte generalisiert auftretende passive Hyperämie*; führt zu einer Steigerung des Nettoultrafiltrats*. Die lymphvaskuläre Kompensation (Sichertsventilfunktion*) wird durch den erhöhten venösen Druck im Abflussbereich der Hauptlymphstämme erschwert.  Übersteigt die lymphpflichtige Last* die unter Umständen reduzierte Transportkapazität*, spricht man von einer hämodynamischen Insuffizienz des Lymphgefäßsystems; als Folge entsteht ein generalisiertes eiweißarmes extrazelluläres Ödem*; dieser Vorgang betrifft auch das Herz selbst; in ihm entsteht ein Herzmuskelödem, welches langfristig eine Schädigung / Fibrose verursacht und die Leistungsfähigkeit beider Herzhälften reduziert; s. a. lymphostatische Kardiomyopathie.

Hämodynamisches Ödem nt: s. u. hämodynamische Insuffizienz.

Haemofuscinablagerungen nt: Entsteht bei der CVI II und III durch den Abbau von Haemoglobin; färbt die Unterschenkelhaut braun; s. a. Haemosiderinablagerungen, Melaninbildung.

Hautinsuffizienz, elastische f: s. u. Elastische Insuffizienz der Haut.

Hautpflege f: Eine der vier Säulen der KPE*. Durch eine intensive Hautpflege kann das Austrocknen der Haut als Folge der Dauerkompression, und als prophylaktische Maßnahme bei Lymphödempatienten  dem Auftreten von Mykosen und Erysipelinfektionen vorgebeugt werden.

Hautpilz f: s. u. Mycosis.

Hautpumpe f: Durch den sich bei z. B. Flexions- und Extensionbewegungen abwechselnden Dehnungs- und Entspannungszuständen der Haut werden die suprafascial gelegenen Venen und Lymphgefäße je nach Bewegungsrichtung entspannt (füllen) und gedehnt (entleeren); die Funktion setzt aber funktionstüchtige Klappen voraus; s. a. Haut-/ Muskel-/ Gelenkpumpe.

Haut-/ Muskel-/ Gelenkpumpe f: Wichtige Fremd-/Hilfsmechanismen* des venösen und lymphatischen Rückflusses; entsteht durch die bei räumlichen Bewegungen (isotonisch) im Wechsel und sich gegenseitig ergänzenden Zug/Entspannungszuständen in der Haut und den Druck/Kompression / Entspannung in den Muskellogen; diese extra- und intrafascial wirkenden Hilfskräfte entstehen nicht bei isometrischer Muskelarbeit; die Funktion ist aber an funktionstüchtige Klappen gebunden; s. a. Hautpumpe, Muskelpumpe, Gelenkpumpe.

Hautverfärbung, bräunliche f: à bräunliche Hautverfärbung.

Hepatopathie, lymphostatische f: s. u. lymphatische Hepatopathie.

hereditär adj: Angeboren, erbbedingt, erblich, ererbt, vererbt,

Hereditäres Angioödem nt: Seltene, autosomal – dominant vererbte Krankheit. Betrifft hauptsächlich den Bereich der Gliedmaße, Gesicht, gastro – intestinalen Bereich und die oberen Luftwege. Es treten plötzlich Ödeme im betroffenen Bereich auf. Muss über differenzialdiagnostische Untersuchungen (Nachweis des C1 – Esterase - Inhibitors) nachgewiesen werden; meist liegt eine Aplasie* der Lymphkapillarbereiche vor.

High-output failure: s. u. Dynamische Insuffizienz, Syn: Hochvolumeninsuffizienz.

Hilfsmechanismen der Lymphangiomotorik f, pl: s. u. Fremdmechanismen der Lymphangiomotorik.

Histiozyten f: Gewebemakrophag; s. a. Makrophagen; von den Monozyten des Blutes abgeleitete amöboid-bewegliche makophagisch tätige Zellen. Man unterscheidet 1. mobile Form (Macrophagocytus nomadicus) 2. sesshafte Form (Macrophagocytus stabilis).

Hochlagerung f: Durch den Wegfall des Schwerkrafteinflusses erfolgt eine Verbesserung des venösen und lymphatischen Rückflusses; die Lagerung senkt dabei zusätzlich den Blutkapillardruck*; Teil der KPE*; s. a. Passive Hyperämie, ödemprotektive Mechanismen.

Hodgkin Lymphom nt: Syn: Hodgkin-Paltauf-Steinberg-Krankheit; Lymphogranulomatosis maligna, maligne Lymphogranulomatose, Morbus Hodgkin, Paltauf-Steinberg-Krankheit; Vom lymphatischen Gewebe ausgehende maligne Erkrankung; Prognose hängt vom histologischen Befund, dem Stadium und den Begleitsymptomen ab.

Hodgkin-Paragranulom nt: Syn: Paragranulom; Lymphozytenreiche Form des Hodgkin- Lymphoms*.

Hodgkin Zelle f: Syn: Granulomzelle; Typische einkernige Riesenzelle bei Hodgkin-Lymphom.

Hungerödem nt: Nach McCane stellt der wichtigste Faktor für das entstehen eines Hungerödems, das durch den Untergang des subkutanen Bindegewebes hervorgerufenes Absinken  des interstitiellen Druckes* dar. Dadurch verändert sich der effektiv ultrafiltrierende Druck (BKD - ID)* und es erhöht sich das Nettoultrafiltrat*.

Hyaluronsäure f: Marixbestandteil, hochvisköses, stark wasserbindendes Glykosaminoglycan; bildet langkettige, unverzweigte Moleküle (Glucuronsäure und N-Acetylglucosamin); Vorkommen: Glaskörper, Haut, Knochen und der Synovialflüssigkeit; wird über das LGS* als lymphpflichtige Last* resorbiert, wird in den Lymphknoten abgebaut und neu synthetisiert; Resorption und Regulation (Neubildung; Abbau) findet über Lymphgefäße und in den Lymphknoten statt.

Hydraulische Permeabilität f: Bezeichnet die Durchlässigkeit der Blutkapillarwand gegenüber Wasser. Bestimmende Variable für den (Blut) Kapillarfiltrationskoeffizienten*.

Hydrocele f: gr: kele, Bruch;Wasserbruch; kann bei einer iliacalen Lymphangiopathie* entstehen.

Hydrostatischer Druck: m: Syn: Schweredruck von Flüssigkeit; Bezeichnet den am Boden z. B. eines Gefäßes herrschenden Druckes einer Flüssigkeit. Wird vom spezifischen Gewicht und der Höhe der Flüssigkeitssäule bestimmt.

Hygrom, cystisches nt: s. u. cystisches Hygrom.

Hyperaldesteronismus m (hyperaldesteronism): Syn: Aldesteronismus; 1. Primärer Hyperaldesteronismus; wird durch einen Aldesteron bildenden Nebennierenrindentumor verursacht; 2. Sekundärer Hyperaldesteronismus; erfolgt über eine extrarenale Stimulation der Aldesteronbildung; beide Formen führen zu Hypokalämie, - magnesiämie, Hyperkaliurie, metabolischer Acidose; Symptome: mäßig bis stark erhöhtem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen, Tetanien, Müdigkeit, Polyurie, Polydypsie; bei Laxantienmissbrauch DD: mit Erbrechen und Durchfall.  

Hyperämie f: Syn: Blutfülle; Mehrdurchblutung der Blutkapillaren, welche durch unterschiedliche Ursachen zustande kommt. Direkte Folge ist eine Druckerhöhung. Man unterscheidet in eine à 1. passive -; 2. aktive Hyperämie.

Hyperämie, aktive f: s. u. aktive Hyperämie.

Hyperämie, passive f: s. u. passive Hyperämie.

Hyperästhesie des Sinus caroticus: Syn: Überempfindlichkeit des Sinus caroticus; Durch eine Überempfindlichkeit des Sinus caroticus   gegenüber mechanischen Reizen entstandene Kontraindikation für die Manuelle Lymphdrainage im Halsbereich. Mechanische Reize können Blutdruckschwankungen und zum Kollaps führen.

Hypodermitis f : Syn: Dermo- Hypodermitis; im Rahmen der CVI* auftretende gerötete und überwärmte Hautbezirke.

Hyperkalzämie : (hypercalcaemia)

Hyperkeratose f: Auf der Grundlage eines Lymphödems entstandene Zehenelephantiasis mit tiefen Hautfalten  und warzen- / papillenartigen Wucherungen der Haut.;  s. a. Stemmer'sches Zeichen.

Hyperplasie f: Übergröße eines Organs infolge einer Entwicklungsstörung. Im Rahmen der Lymphologie werden ektatische Lymphgefäße mit einhergehender Klappeninsuffizienz  als hyperplastisch bezeichnet; Kann zu einer Insuffizienz (Mechanische - / Niedrigvolumeninsuffizienz*) oder Nochsuffizienz (Latenzstadium*) des Lymphgefäßsystems führen; s. a. Klassifikation der Lymphödeme

Hypertension, ambulatorische venöse f: s. u. Ambulatorische venöse Hypertension.

Hypodermitis f: Entzündung des Unterhautgewebes.

Hypokalzämie f: Verminderter Calciumgehalt im Blut; tritt bei der lymphostatischen Enteropathie auf.

Hypokinetisches Ödem nt: à Inaktivitätsödem.

Hypoplasie f: Zu klein ausgebildetes Organ infolge einer Entwicklungsstörung. Im Rahmen der Lymphologie spricht man von Hypoplasie wenn: 1. Weniger Kollektoren als normal vorhanden sind; 2. Ihr Durchmesser geringer ist als normal; Beide Punkte können zu einer Insuffizienz (Mechanische - / Niedrigvolumeninsuffizienz*) oder Nochsuffizienz (Latenzstadium*) des Lymphgefäßsystems führen; s. a. Klassifikation der Lymphödeme

Hypoproteinämie f: Herabgesetzte Plasmaproteinkonzentration; der Eiweißverlust übersteigt die Proteinsynthesekapazität der Leber; als Ursache können großflächige Permeabilitätsstörungen der Kapillarwände/ postkapillären Venule, Darm-, Nieren- und Lebererkrankungen verantwortlich sein; bei einer Hypoproteinämie kommt es zu einer Reduktion der effektiv resorbierenden Kraft* (KODP - KODI ). Spielt bei der eiweißverlierenden Enteropathie, dem Nephrosesyndrom und dem zyklisch idiopathischen Krankheitsbildern eine Rolle. Es können auf der Grundlage der dynamischen Insuffizienz generalisierte Ödeme* entstehen; s. a. Exudative und lymphostatische Enteropathie, Nephrosesyndrom, zyklisch idiopathisches Ödem.

Hypoproteinämisches Ödem nt: s. a. Hypoproteinämie; Auf Grundlage der dynamischen Insuffizienz des Lymphgefäßsystems entstandenes generalisiertes Ödem. Orthostasephänomen: In liegender Position entstehen durch das Fehlen der Orthostase die Ödeme verstärkt im oberen Körperbereich (Gesicht), bei orthostatischer Haltung verstärken sich die Ödeme im weiteren Tagesverlauf in den unteren Körperabschnitten (Unterschenkel / Beine); passive ödemprotektive Mechanismen* und die Sicherheitsventilfunktion* des LGS* spielen eine entscheidende Rolle bei der Lokalisation oder bei der Entstehung von Ödemen.

Hypovolämischer Schock m: Syn: Blutmangelschock, Volumenschock; tritt durch einen schnell einsetzenden Flüssigkeitsverlust auf (Blutverlust, Körperflüssigkeit); s. a. Dehydrationsreaktion.

 

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